Sprachkenntnisse und Skills im Lebenslauf: GER-Stufen als Text statt Balken und Sterne

Von Toni Matijević · Tonis Bewerbungshilfe ·

Fünf Punkte für Englisch, ein Balken zu drei Vierteln für Excel: Grafische Skalen sind in Lebenslauf-Vorlagen beliebt. Für ein Bewerbermanagement-System enthalten sie keine Information. Im Bewerberprofil stehen dann Sprachen ohne Niveau oder gar keine Sprachen. Und auch ein Mensch weiß nicht, was „vier von fünf Sternen“ eigentlich bedeuten soll.

Warum Balken und Sterne verloren gehen

Ein Parser arbeitet mit Text. Ein Balken ist für ihn eine Grafik oder eine gezeichnete Form, also nichts, was er auslesen kann. Sterne als Sonderzeichen wie ★★★★☆ kommen zwar als Zeichen an, aber kein System weiß, dass vier gefüllte Sterne für fließendes Englisch stehen sollen. Wie die Software deine Datei Schritt für Schritt zerlegt, erklärt der Artikel Wie ein ATS-Parser deinen Lebenslauf liest.

Dazu kommt die Suche: Recruiter durchsuchen den Bewerberpool nach Begriffen. Steht „Englisch C1“ als Text in deinem Lebenslauf, kann diese Suche dich finden. Steht dort nur ein Balken, nicht.

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen

Für Sprachen gibt es einen Maßstab, den Unternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz kennen: den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen, kurz GER, entwickelt vom Europarat. Er beschreibt Sprachkenntnisse in sechs Stufen:

  • A1 und A2: elementare Sprachverwendung, also Grundkenntnisse
  • B1 und B2: selbständige Sprachverwendung
  • C1 und C2: kompetente Sprachverwendung

Die Stufen gelten getrennt für Hören, Lesen, an Gesprächen teilnehmen, zusammenhängendes Sprechen und Schreiben. Europass, ein Angebot der Europäischen Kommission, stellt die Beschreibungen zur Selbsteinschätzung bereit (Europass: Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen). Wenn du unsicher bist, welche Stufe passt, lies dort die Beschreibungen durch und nimm im Zweifel die niedrigere.

So schreibst du Sprachen richtig

Die sicherste Form ist: Sprache, Beschreibung in Worten, GER-Stufe in Klammern.

Deutsch: Muttersprache
Englisch: verhandlungssicher (C1)
Französisch: gute Kenntnisse (B1)
Italienisch: Grundkenntnisse (A2)

Warum beides, Wort und Stufe? Begriffe wie „fließend“ oder „verhandlungssicher“ legt jeder etwas anders aus. Die GER-Stufe ist eindeutig und lässt sich suchen. Das Wort macht die Zeile für Menschen leichter lesbar.

Für deine Muttersprache brauchst du keine Stufe. „Muttersprache“ reicht. Hast du ein Sprachzertifikat, nenn es mit Namen und Jahr, etwa in Klammern hinter der Stufe oder im Abschnitt „Zertifikate“. Gib nur Stufen an, die du im Gespräch auch zeigen kannst. Manche Unternehmen führen Teile des Interviews in der Fremdsprache.

Sprachen im Bewerbungsformular

Viele Portale fragen Sprachen zusätzlich in eigenen Formularfeldern ab, oft mit einer Auswahlliste für das Niveau. Welche Stufen dort zur Auswahl stehen, legt jedes Unternehmen selbst fest. Manchmal sind es die GER-Stufen, manchmal Begriffe wie „Grundkenntnisse“ oder „fließend“. Wähle die Option, die deiner Stufe im Lebenslauf am nächsten kommt, und bleib dabei einheitlich. Steht im Lebenslauf C1 und im Formular „Grundkenntnisse“, wirkt das widersprüchlich, und der Recruiter sieht in der Übersicht meist zuerst das Formular.

Kenntnisse: Text statt Skala

Für Fachkenntnisse und Software gilt dasselbe Prinzip. Statt eines Balkens schreibst du, was du kannst, und wenn es hilft, wie gut:

Microsoft Excel (Pivot-Tabellen, SVERWEIS, Diagramme): fortgeschritten
SAP S/4HANA (MM, SD): Anwenderkenntnisse
Python: Grundkenntnisse
Staplerschein, Führerschein B

Ein paar Regeln dafür:

  • Konkret statt allgemein: „Excel (Pivot-Tabellen)“ sagt mehr als „MS Office“.
  • Begriffe wie in der Stellenanzeige: Steht dort „SAP S/4HANA“, schreib nicht nur „SAP“. Recruiter suchen oft genau nach dem Begriff aus der Anzeige.
  • Eine einheitliche Skala: Wenn du Niveaus angibst, nimm durchgehend dieselben drei Wörter, etwa Grundkenntnisse, fortgeschritten, sehr gute Kenntnisse.
  • Soft Skills belegen: Eine Liste aus „teamfähig, belastbar, kommunikativ“ bringt wenig. Zeig solche Stärken lieber in den Stichpunkten deiner Berufserfahrung.

Überschrift und Position

Sprachen und Kenntnisse bekommen je eine eigene Standard-Überschrift: „Sprachen“ oder „Sprachkenntnisse“ und „Kenntnisse“ oder „Kompetenzen“. Sie stehen im Hauptteil, üblicherweise unter Berufserfahrung und Ausbildung. In vielen Vorlagen sitzen sie dagegen in einer Seitenleiste neben dem Werdegang. Liest der Parser quer über die Seite, landen sie dann mitten in deinen Stationen. Warum das passiert, zeigt der Artikel Zweispaltiger Lebenslauf.

So baust du deine Vorlage um

  1. Grafik löschen: In Word klickst du den Balken oder die Punkte an. Erscheint oben der Reiter Formformat oder Bildformat, ist es eine Form oder ein Bild. Mit Entf löschst du sie. In Canva markierst du das Element und löschst es ebenso.
  2. Text schreiben: Ergänze in derselben Zeile die Beschreibung und die GER-Stufe beziehungsweise dein Niveau.
  3. Aus der Seitenleiste holen: Steht der Block neben dem Werdegang, schneide ihn aus und füge ihn unter der Ausbildung als eigenen Abschnitt ein. Bei Textfeldern hilft der Artikel Tabellen und Textfelder in Word.
  4. Kopiertest machen: Öffne das fertige PDF, markiere alles mit Strg + A, kopiere es mit Strg + C und füge es in einen einfachen Texteditor ein. Steht dort „Englisch: verhandlungssicher (C1)“, kommt die Information an. Steht dort nur „Englisch“, fehlt das Niveau noch.

So prüfst du das Ergebnis

Lade die neue Fassung in den kostenlosen ATS-Check. Er sucht die Überschriften „Sprachen“ und „Kenntnisse“ samt gängiger Varianten und meldet, wenn sie fehlen. Bei Word-Dateien und PDFs zählt er außerdem eingebettete Bilder und weist darauf hin, wenn neben dem Foto weitere Grafiken im Dokument stecken. Die Datei verlässt dabei dein Gerät nicht. Weitere Grundregeln findest du im Artikel ATS-konformer Lebenslauf.

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