Europass-Lebenslauf und ATS: Wann er passt und wann nicht

Europass-Lebenslauf im Bewerbungsportal: wann er verlangt wird, was beim Einlesen schiefgehen kann, wie du ihn vorab testest und wann du besser umsteigst.

Von Toni · 5 Min. Lesezeit

Inhalt 6 Abschnitte
  1. Was der Europass-Lebenslauf ist
  2. Wann du den Europass nehmen solltest
  3. Was beim Einlesen schiefgehen kann
  4. Der Test vor dem Hochladen
  5. Typische Fehler beim Europass
  6. Den Inhalt übernehmen, die Form wechseln

Du hast deinen Lebenslauf vor Jahren im Europass-Editor angelegt, er ist vollständig und offiziell. Jetzt willst du ihn in ein Bewerbungsportal hochladen und fragst dich, ob die Software ihn genauso gut liest wie einen klassischen Lebenslauf. Die kurze Antwort: Der Inhalt ist meist in Ordnung, die Form ist für viele Stellen die falsche Wahl. Hier steht, wann der Europass passt, was beim Einlesen passieren kann und wie du in wenigen Minuten prüfst, ob deine Datei funktioniert.

Was der Europass-Lebenslauf ist

Europass ist ein kostenloses Angebot der Europäischen Union. Im Editor legst du ein Profil mit Ausbildung, Berufserfahrung und Kompetenzen an und erzeugst daraus Lebensläufe in 31 Sprachen (Europass: Lebenslauf erstellen). Das AMS beschreibt, dass der Editor ein standardisiertes Format mit vier vorgefertigten Layouts anbietet. Ohne Profil musst du den Lebenslauf vor dem Verlassen des Editors als PDF exportieren. Dieses PDF kannst du später wieder hochladen und weiterbearbeiten (AMS: Europass Lebenslauf).

Das AMS nennt auch die Nachteile: Das Design ist eingeschränkt und der Lebenslauf kann durch viele Raster und Tabellen sehr lang werden. Beides spielt beim Hochladen in ein Bewerbungsportal eine Rolle.

Wann du den Europass nehmen solltest

Nimm den Europass, wenn die Ausschreibung ihn verlangt. Das AMS nennt vor allem Bewerbungen in einem anderen europäischen Land, dazu manche Stellen und Weiterbildungen in Österreich, etwa Studiengänge an Fachhochschulen. Steht in der Anzeige „Lebenslauf im Europass-Format“, schick genau das. Eine eigene Gestaltung wirkt dann, als hättest du die Anzeige nicht gelesen.

Für eine Stelle in einem Unternehmen in Österreich oder Deutschland verlangt das fast niemand. Dort erwartet die Personalabteilung einen klassischen Lebenslauf mit Kopfbereich, Berufserfahrung und Ausbildung auf ein bis zwei Seiten. Ein Europass mit vier Seiten und leeren Rastern wirkt dort wie ein Formular, nicht wie eine Bewerbung.

Meine Regel: Europass nur, wenn er verlangt wird oder wenn du dich bei einer internationalen Organisation bewirbst, die ihn erkennbar gewohnt ist. Für alle anderen Stellen nimmst du den Inhalt aus dem Europass und setzt ihn in einen einspaltigen Lebenslauf.

Was beim Einlesen schiefgehen kann

Ein Bewerbermanagement-System holt den Text aus der Datei und ordnet ihn Feldern zu. Wie das abläuft, erklärt der Artikel ATS-Parser. Beim Europass gibt es drei Stellen, an denen es haken kann.

Beschriftungen neben dem Inhalt: Je nach Layout stehen Bezeichnungen wie „Berufserfahrung“ oder Zeiträume in einer schmalen Spalte neben dem Text. Für die Software ist das eine zweite Spalte. Sie kann Zeilen aus beiden Spalten vermischen, so wie bei jedem zweispaltigen Lebenslauf.

Raster bei den Sprachen: Im Europass stehen Sprachen meist in einem Raster mit Stufen für mehrere Teilbereiche. Beim Auslesen kommen dann einzelne Kürzel wie „B2 B2 B1 B1 B2“ ohne Zusammenhang an. Im Formular des Portals steht danach oft keine Sprache oder eine falsche. Schreib die Sprachen im Formular selbst ein und prüf sie.

Länge und leere Abschnitte: Ein langer Lebenslauf ist für die Software kein Problem. Für die Person, die ihn liest, schon. Abschnitte wie „Digitale Kompetenzen“ mit einer Liste aller Programme, die du je geöffnet hast, verdünnen das, was zählt.

Was meistens gut funktioniert: Der Europass erzeugt ein PDF mit echtem Text, kein Bild. Ob das bei deiner Datei so ist, prüfst du mit dem Test aus dem Artikel PDF-Textebene prüfen.

Der Test vor dem Hochladen

Öffne dein Europass-PDF, markiere den ganzen Text und kopier ihn in einen leeren Texteditor. Lies dann von oben nach unten:

  • Steht dein Name ganz oben und sind Telefonnummer und Mailadresse lesbar?
  • Folgen auf jeden Zeitraum die richtige Berufsbezeichnung und der richtige Arbeitgeber?
  • Stehen die Sprachen als verständliche Zeile oder als Reihe von Kürzeln?
  • Gibt es Abschnitte, die mitten in einer anderen Station auftauchen?

Wenn eine dieser Fragen mit Nein ausgeht, liest auch ein Bewerbungsportal die Datei schlecht. Schneller geht es mit dem kostenlosen ATS-Check. Er prüft im Browser Spalten, Überschriften, Datumsangaben und Kontaktdaten, ohne die Datei hochzuladen.

Verlangt die Ausschreibung den Europass, kannst du die Form nicht ändern. Dann verlagert sich die Arbeit ins Formular. Viele Portale füllen nach dem Hochladen Felder vor. Geh danach jede Station durch und korrigier Zeiträume, Bezeichnungen und Sprachen von Hand. Was im Formular steht, sieht die Personalabteilung oft vor der Datei. Hat das Portal ein Textfeld für eine Nachricht, hilft ein Satz wie dieser: „Meinen Lebenslauf habe ich wie gewünscht im Europass-Format beigefügt, die aktuelle Stelle finden Sie auf Seite 1.“ Welche Felder nach dem Hochladen am häufigsten falsch sind, zeigt der Artikel Vorausgefüllte Formularfelder prüfen.

Typische Fehler beim Europass

Der häufigste Fehler ist ein Europass, bei dem jedes Feld ausgefüllt ist, weil der Editor danach fragt. Geburtsort, Staatsangehörigkeit, Geschlecht, jeder Kurs seit der Schulzeit, jede Software. Das AMS schreibt dazu, dass alle Felder freiwillig sind und leere Felder nicht im Lebenslauf erscheinen. Lass also weg, was die Stelle nicht braucht.

So liest es sich falsch:

Digitale Kompetenzen: Microsoft Word, Microsoft Excel, Microsoft PowerPoint, Outlook, Teams, Zoom, Google Chrome, Facebook, Instagram, WhatsApp

So besser:

EDV: MS Office (Excel mit Pivot-Tabellen und SVERWEIS), SAP MM (Bestellungen, Wareneingang)

Die zweite Zeile ist kürzer und sagt mehr. Sie nennt, was du mit dem Programm kannst. Und sie nennt nur Programme, die für die Stelle zählen.

Ein zweiter Fehler: Der Europass wurde einmal für eine englische Bewerbung angelegt, die Stelle in Linz ist auf Deutsch ausgeschrieben. Dann stehen englische Überschriften über deutschen Inhalten oder umgekehrt. Prüf, dass Überschriften und Inhalte dieselbe Sprache haben wie die Anzeige.

Den Inhalt übernehmen, die Form wechseln

Der Europass ist eine gute Sammlung deiner Daten. Die Arbeit, die du dort hineingesteckt hast, ist nicht verloren. Nimm Stationen, Zeiträume und Abschlüsse und setz sie in einen einspaltigen Lebenslauf mit Standard-Überschriften. Achte beim Übertragen auf drei Dinge:

  1. Zeiträume im Format MM/JJJJ, bei laufenden Stellen „heute“.
  2. Sprachen als eine Zeile je Sprache mit Stufe, etwa „Englisch: C1“. Wie das aussieht, steht im Artikel Sprachkenntnisse im Lebenslauf.
  3. Unter jeder Station zwei bis fünf Zeilen, die zur neuen Stelle passen, nicht alles, was der Europass gesammelt hat.

Behalt das Europass-PDF für Bewerbungen, die es verlangen. Für alle anderen hast du dann eine zweite Datei, die ein Unternehmen erwartet.

Wenn du nicht selbst gestalten willst, findest du Designs für den Generator unter Lebenslauf-Vorlagen. Du wählst eine Vorlage, gibst dem KI-Assistenten Toni deinen Europass oder erzählst ihm deine Stationen. Er setzt daraus den Lebenslauf in der gewählten Vorlage.